Es begann vor schätzungsweise 15 Jahren.
Damals war ich noch an der hausärztlichen Versorgung in Graz beteiligt.
Immer häufiger wurde ich zu jungen Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren gerufen- etwas mehr junge Männer als Frauen -
welche unter unerklärlichem Herzrasen, Atemnot und Beklemmungsgefühlen litten.
Meist waren sie schon bei mehreren Herzspezialisten gewesen,
manche hatte aufwendigere apparative Untersuchungen wie 24h-Ekg, Herzultraschall und Belastungs-Ekg,
manche sogar Myocardscintigraphie hinter sich und man konnte keinerlei organische Ursachen ihrer Beschwerden finden.
Manche hatten schon mehrere Medikamente ausprobiert, in Extremfällen waren sie zur Kardikonversion vorgemerkt-
ein Verfahren, bei dem das Herz durch einen Elektroschock kurz zum Stillstand gebracht wird,
damit es dann neu "startet" und seinen ursprünglichen Rhythmus wieder findet.
Was sich herausstellte:
Es waren Panikattacken.
Ich fragte meine Kollegen, ob ich mir das nur einbildete oder sie das auch beobachteten
und es waren mehrere, welche fast selbstverständlich antworteten: "Ja, ja, das ist mir auch schon aufgefallen."
In fast allen Fällen gelang es mir, diese jungen Menschen durch einfache psychologische Maßnahmen
und Erklärung mancher elementaren Zusammenhänge aus dieser Angst herauszuholen.
In den letzten sechs Jahren allerdings ist das bedeutend schwieriger geworden.
Was mir nicht gelungen ist und meist nicht gelingt,
ist es, Leute aus ihrer Pandemie- und Impfangst herauszuholen.
Wissenschaftliche Fakten will man meist erst gar nicht hören.
Medien, Politik und Wirschaft entscheiden gemeinsam mit Konsensusgesellschaften in einem Mehrheitsbeschluss darüber,
was Wissenschaft ist und schüren die Panik, welche Kopflosigkeit und Menschen mit verschlossenen Ohren erzeugt
Als ich studiert habe, wurde das anders gelehrt.
Man hat mir beigebracht, der Arzt sei Naturwissenschafter,
der Wahrheitsbeweis im naturwissenschaftlichen Bereich sei das Experiment
und das Experiment richte sich nicht nach Mehrheitsmeinungen, Statistiken, Hochrechnungen
oder aber auch nicht nach Gefühlen wie Angst.
In einer eigenartig verdrehten und umgekehrten Logik werden jetzt diejenigen, welche der Angst entgegenwirken
und das auch wissenschaftlich solide begründen wollen am Reden gehindert -
ausgerechnet von denen,
welche beständig die Angst schüren und dazu sagen:
"Sei nicht so negativ. Denke positiv. Lebe angstfrei."
Leider bleiben sie meist die Antwort schuldig, wie man das macht. Die Angst stellt sich nämlich nicht vor und sagt:
"Guten Tag, ich bin die Angst und erzeuge gerade bei dir Herzrasen, Beklemmungsgefühle, Atemnot oder Mundtrockenheit.
Du solltest einfach angstfrei leben, dann gehen all diese Symptome wieder weg."
Und deshalb denkt auch kaum jemand über seine Angst nach, wenn all diese Symptome auftauchen -
es wird vielmehr der Arzt gerufen, der soll sich mit dem Herzen oder mit der Lunge oder mit der Mundtrockenheit beschäftigen
und der wird ja wohl ein Gegenmittel haben - ist ja schließlich der Arzt.
Der Arzt selbst aber hat auch ein Problem:
Häufig sieht er sich selbst nicht als umfassender Ganzheitsmediziner
sondern als eine Art Mechaniker mit dem Schraubenschlüssel in der Hand oder Elektrotechniker oder Chemiker und Informatiker,
der dazu imstande ist, Menschen durch seine Kenntnisse der Technik und Chemie zu reparieren oder umzuprogrammieren oder biochemisch zu korrigieren.
Und auch von einem nicht geringen Teil der Bevölkerung wird er so gesehen.
"Der soll mein Herz reparieren und nicht mit mir über meine Angst diskutieren, die ich gar nicht habe."
So oder so ähnlich wird dann gedacht oder manchmal auch geredet.
Angst aber ist ein äußerst komplexes Phänomen, das vielfältige Ursachen und Äußerungsformen hat -
und "Angst essen Seele auf" heißt es in einem mehr oder weniger bekannt gewordenen zeitgenössischen Film.
Angstfrei leben also- um das Bild abzurunden - ist nichts, das man per Dekret anordnen oder per Rezept verordnen kann.
Sich die Angst einzugestehen aber ist der erste Schritt auf dem Weg zur Heilung.
Die Angst zu leugnen verstärkt nur die unerklärlichen Symptome.
Verdrängung ist die Reaktion des Kindes, das keine anderen Möglichkeiten sieht und sich nicht reif äußern kann.
Es hält die Hand vor die Augen, schließt die Augen und sagt: "Siehst mich eh´ nicht..."
Das hat- dem biblischen Bericht zufolge - schon Adam im Garten Eden versucht.
"Ich versteckte mich, denn ich bin nackt..." heißt es dort.
Doch wie sinnlos ist es eigentlich, sich vor einem Gott verstecken zu wollen, der per definitionem alles sieht und alles weiß?
Die Angst vor der Angst abzulegen ist also der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung.
Angst ist eine natürliche kindliche Reaktion.
Deren Verdrängung ein Kriterium für mangelnde geistige Reife und Symptom eines seelisch ungesunden Glaubens.
Die Angst vor der Angst abzulegen und Gottvertrauen zu üben ist eine erwachsene Reaktion auf dem Weg zur Reifung.
"Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind.
Als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war." So schrieb der Apostel Paulus an die Korinther.
Gottvertrauen üben aber bedeutet, Gott kennenzulernen.
Den Guten Vater,
der weiss, wie man Angst behandelt.
Das ist keine Sache eines Augenblicks und auch keine Sache, die man einfach anordnen kann.
Das ist ein Prozess. Ein Weg. Eine fortschreitende Erfahrung und Reifung mit Erfolgen und Rückschlägen.
Ihn gehen zu wollen erfordert die Entscheidung eines Erwachsenen
und ist eines der Kriterien für einen seelisch gesunden Glauben.
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